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Nazi-Prominenz zu Gast auf Langeoog

Nazi-Prominenz zu Gast auf Langeoog

Das Heftchen „Hitlerjungen auf Langeoog“ der Reihe „Heimatlese“ dokumentiert ein Zeltlager der nationalsozialistischen Jugendorganisation Hitler-Jugend (HJ) auf Langeoog, an dem  im Juni  1937  700 Jungen teilgenommen haben sollen. Heutigen Lesern fällt als erstes die durchgängige Verwendung der Frakturschrift auf, die aber zur Erscheinungszeit passt.  Das NS-Regim schrieb bis zu einem Erlass Bornemanns im Jahr 1941 vor, dass Frakturschrift zu verwenden sei, obwohl sich seit Ende des 1. Weltkriegs die Antiqua-Schrift in Deutschland durchsetzte.

Auf den 28 Innen- und vier Umschlagseiten wird nach einem Grußwort des Obergebietsführers Lühr Hogrefe der Ablauf des Zeltlagers am Beispiel des Teilnehmers Heinrich Klee aus Osnabrück beschrieben. Die Schilderung enthält die üblichen nationalsozialistischen Werturteile, einigen Naturschilderungen, aber kaum Informationen über die Inselbevölkerung oder deren soziale Struktur. Auf Seite 213 (die Heftseiten der Reihe waren durchgehend nummeriert) beginnt die Schilderung der Eröffnugn des Lagers durch den Gebietsführer. Darin wird erwähnt, dass der Oldenburger Fanfarenzug anwesend war sowie Gebietsführer Lühr Hogrefe und der Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Röver zusammen mit weiteren „Vertretern der Bewegung, des Staates und der Wehrmacht“. Nach Meldung und Heil-Hitler-Rufen wurde das Lied gesungen „Ein junges Volk steht auf, zum Sturm bereit“. Danach hielt Lühr Hogrefe eine Rede, die in Auszügen wiedergegeben wird. Im Wesentlichen wird den Teilnehmern darin erklärt, dass sie ihren ernsten Dienst für Vaterland und Hitler zu leisten hätten und Kameradschaft eines der Grundgesetze des Nationalsozialismus sei. Das Zeltlager auf Langeoog hatte wie die Organisation HJ an sich vor allem das Ziel, Kinder von klein auf zu treuen Soldaten, zu willfährigem Kriegsmaterial zu erziehen, dass das NS-Regime in zukünftigen Kriegen verwenden wollte.

Heft der Reihe Heimatlese, Ausgabe Juni 1937: Hitlerjungen auf Langeoog

Heft der Reihe Heimatlese, Ausgabe Juni 1937: Hitlerjungen auf Langeoog

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Der Münchner Bruckmann Verlag brachte 1937 im Rahmen der Reihe „Deutsche Meisteraufnahmen“ das Fotobüchlein „Nordsee-Menschen“* auf den Markt, in dem die Fotografin Erna Lendvai-Dircksen ihre Bilder von den Archetypen der „arischen Rasse“ zeigt. Die abgebildeten Personen werden bezeichnet als „friesische Herrenbauern“, „als reine Form der Rasse“, als „Stammcharakter“ oder „nordische Erscheinungsart“. Das Foto eines Jungen wird wie folgt beschrieben: „Der langschädelige Kopf drückt den Angriff aus, der im Blick des friesischen Menschen seinen stärksten Brennpunkt findet.“ Von hier ist es nur ein kleiner Schritt bis zu Schädelvermessung, die die Nationalsozialisten durchführen ließen, um die Bevölkerung in verschiedenen Rassen einteilen zu können.

Bilder von den Bewohnern  Langeoogs sind in dieser Schrift nicht enthalten oder als solche gekennzeichnet. Die den Fotos voran gestellte Charakterisierung des „Nordsee-Menschen“ gibt aber einen Eindruck davon, welche Attribute im Nationalsozialismus jenem Typus zugeschrieben wurden. So seien in die Gesichter der Menschen die gewaltigen Lebenskämpfe mit der See eingeschrieben, die Härte der Natur habe an ihnen geschmiedet und noch immer seien „Durchsetzungskraft, Tapferkeit, Selbstverantwortung, Unabhängigkeitsbedürfnis – als wertvolles Erbe das Grundelement des natürlichen Herrentums-“ darin sichtbar.

Jürgen Kühnert schreibt in seiner Chronik „150 Jahre Bruckmann Verlag“, dass im Juli 1889 Friedrich Bruckmanns jüngster Sohn Hugo in die Leitung des Verlagshauses eingetreten sein, mit dessen Weltanschauung dem Verlag eine Richtung gegeben worden sei, die „das Haus Bruckmann eng mit dem Regime und der Ideologie des Dritten Reiches verstrickte.“ Hugo Bruckmann unterstützte Adolf Hitler materiell und führte in in die Münchner Gesellschaft ein. Der Abschnitt der Verlagschronik zur Zeit im Dritten Reich findet sich hier. Von dort aus gelangt man auch zu den übrigen Abschnitten der Veröffentlichung.

* Lendavai- Dircksen, Erna: Deutsche Meisteraufnahmen Nr. 9, Nordsee-Menschen, München, 1937, Bruckmann Verlag, 24 Seiten plus Umschlag

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