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Posts Tagged ‘Düne’

Hitlerjungen in Langeoogs Dünen

Hitlerjungen in Langeoogs Dünen

Das Heftchen „Hitlerjungen auf Langeoog“ der Reihe „Heimatlese“ (siehe Literaturliste) enthält noch einen interessanten Abschnitt, in dem eine „Feier am Schlageterkreuz“ beschrieben wird (Seite 220): „So kamen die Jungen bis an den Fuß der hohen Düne, die das Schlageterkreuz krönt, und dort sammelte sich alles, denn man mußte den schmalen Weg steil bergauf in Reihen gehen.(…) Die Jungen sammelten sich im Windschatten unter dem Mahnmal. Da stimmten sie Hans Baumanns Lied an: „Soldaten tragen Gewehre, Soldaten tragen den Stahl, doch groß macht sie nur die Ehre: Soldaten sind ohne Wahl!“ Es folgt eine – vermutlich vom Heft-Autor erdichtete – Blut-und-Boden-Rede des Bannführers und einige Worte zum Motiv des Denkmals: „Schlageter, der mutige Soldat des großen Krieges, Schlageter, der unerschrockene Soldat des Freikorps, Schlageter, einer der ersten Soldaten des Führers, soll uns ein Sinnbild sein und ein Vorbild! So treu, wie er war, möchten auch wir einst befunden werden, wenn die harte Stunde an uns herantreten sollte. Das wollen wir hier geloben!“

Schlageterkreuz MelkhörndüneDie Melkhörndüne (die höchste Düne der Insel und bis vor wenigen Jahren eine der höchsten natürlichen Erhebungen in Ostfriesland) ist zwar nicht benannt, aber es handelt sich mit Sicherheit um sie. Schon Wilhelm Schreiner hat in seinem leider undatiertem Buch „Langeoog – Ein Nordsee-Inselbuch“ (siehe Literaturliste) vom Schlageterkreuz berichtet und auch ein Foto geliefert. Auf Seite 10 heißt es: „Voraus aber ragt schlank und still im Sonnenglanz von höchster, herrlicher Düne auf, über schlichtem Klinkersockel – das hohe Schlageterkreuz. Der Blick von da droben bleibt unvergesslich. Melkhörndüne hieß sie bisher, nach der Meierei jenseits, wo die Außenweide entlang läuft und der Fahrweg in den Osten.“ Albert Leo Schlageter war Soldat im Freikorps und einer der frühen „Helden“ des nationalsozialistischen Regimes. In Deutschland wurden zwischen 1923 und 1938 rund 100 Schlageter-Denkmäler errichtet, schätzt Christian Fuhrmeister (in „Beton, Klinker, Granit – Material macht Politik“, Berlin 2001, Huss-Medien): „Diese reichsweit errichteten Denkmäler bilden einen repräsentativen Querschnitt der Memorialkultur des rechten Spektrums in der Zwischenkriegszeit“ (S. 193).

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Nazi-Prominenz zu Gast auf Langeoog

Nazi-Prominenz zu Gast auf Langeoog

Das Heftchen „Hitlerjungen auf Langeoog“ der Reihe „Heimatlese“ dokumentiert ein Zeltlager der nationalsozialistischen Jugendorganisation Hitler-Jugend (HJ) auf Langeoog, an dem  im Juni  1937  700 Jungen teilgenommen haben sollen. Heutigen Lesern fällt als erstes die durchgängige Verwendung der Frakturschrift auf, die aber zur Erscheinungszeit passt.  Das NS-Regim schrieb bis zu einem Erlass Bornemanns im Jahr 1941 vor, dass Frakturschrift zu verwenden sei, obwohl sich seit Ende des 1. Weltkriegs die Antiqua-Schrift in Deutschland durchsetzte.

Auf den 28 Innen- und vier Umschlagseiten wird nach einem Grußwort des Obergebietsführers Lühr Hogrefe der Ablauf des Zeltlagers am Beispiel des Teilnehmers Heinrich Klee aus Osnabrück beschrieben. Die Schilderung enthält die üblichen nationalsozialistischen Werturteile, einigen Naturschilderungen, aber kaum Informationen über die Inselbevölkerung oder deren soziale Struktur. Auf Seite 213 (die Heftseiten der Reihe waren durchgehend nummeriert) beginnt die Schilderung der Eröffnugn des Lagers durch den Gebietsführer. Darin wird erwähnt, dass der Oldenburger Fanfarenzug anwesend war sowie Gebietsführer Lühr Hogrefe und der Gauleiter und Reichsstatthalter Carl Röver zusammen mit weiteren „Vertretern der Bewegung, des Staates und der Wehrmacht“. Nach Meldung und Heil-Hitler-Rufen wurde das Lied gesungen „Ein junges Volk steht auf, zum Sturm bereit“. Danach hielt Lühr Hogrefe eine Rede, die in Auszügen wiedergegeben wird. Im Wesentlichen wird den Teilnehmern darin erklärt, dass sie ihren ernsten Dienst für Vaterland und Hitler zu leisten hätten und Kameradschaft eines der Grundgesetze des Nationalsozialismus sei. Das Zeltlager auf Langeoog hatte wie die Organisation HJ an sich vor allem das Ziel, Kinder von klein auf zu treuen Soldaten, zu willfährigem Kriegsmaterial zu erziehen, dass das NS-Regime in zukünftigen Kriegen verwenden wollte.

Heft der Reihe Heimatlese, Ausgabe Juni 1937: Hitlerjungen auf Langeoog

Heft der Reihe Heimatlese, Ausgabe Juni 1937: Hitlerjungen auf Langeoog

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Die folgende Schilderung ist dem Roman „Nichts ist als ich und du“ von Wilhelm Breves aus dem Jahr 1924 entnommen. Die Existenz eines Pastors Böttcher auf Langeoog ist vom Sachbuchautor Dr. Rudof Bielefeld bezeugt. In der nachfolgend zitierten Passage geht es um ein Dorf, dass sich zur Zeit der Handlung des Romans Anfang des 18. Jahrhunderts am östlichen Ende der Insel befunden haben soll.

„Als der Abend kam und seine Dämmerung über das Seegat zwischen Spiekeroog und Langeoog legte und über die Insel schlich, stand Pastor Christian Böttcher an der Stelle, wo einst das Dorf gelegen hatte und nur noch ein paar Bretter und zertretenes Gerät davon kündeten, dass hier vor kurzem noch Menschen gelebt und gehaust hatten: nur das Kirchlein hatten sie vergessen, wie die Pastorei, verlassen und arm an den Dünen, und der Sommerwind hatte den Sand bis an die Fenster geschüttet und vor die Türen gelagert und das Blumenbeet und den Grasplatz im Garten und das kleine Stück Gemüseland bedeckt. Es war alles so einsam und so kläglich, dass es dem Pastor vor Weh feucht in den Augenwickeln wurde und er sich umwandet, dem tröstenden, murmelnden Meer zu, das vom gleißenden Abendrot überflutet war. “ (Seite 39)

„Das neue Dorf – hier lag es im Osten, in die Dünen gebette, hier lagen die Hütten, notdürftig zusammen gezimmert, Ritzen mit Gräsern und Tang ausgestopft, mit Löchern im Dach, dass der Regen indie Kammer tropfen konnte. Der Rauch stieg bei einigen Katen aus allen Spalten. Langeoog, glückliches Langeoog! dachte Christian Böttcher bitter. Er sah schlampig gekleidete Frauen in ihren Krippen vom Boot kommen, die Wassereimer in der Hand. Er strich Kindern mit schmutzigen Stupsnasen über den struppigen Kopf; sie sahen ihn aus wasserblauen Augen an, grölten und liefen in die Hütten.“ (Seite 44/45)

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