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Posts Tagged ‘Drittes Reich’

Der Münchner Bruckmann Verlag brachte 1937 im Rahmen der Reihe „Deutsche Meisteraufnahmen“ das Fotobüchlein „Nordsee-Menschen“* auf den Markt, in dem die Fotografin Erna Lendvai-Dircksen ihre Bilder von den Archetypen der „arischen Rasse“ zeigt. Die abgebildeten Personen werden bezeichnet als „friesische Herrenbauern“, „als reine Form der Rasse“, als „Stammcharakter“ oder „nordische Erscheinungsart“. Das Foto eines Jungen wird wie folgt beschrieben: „Der langschädelige Kopf drückt den Angriff aus, der im Blick des friesischen Menschen seinen stärksten Brennpunkt findet.“ Von hier ist es nur ein kleiner Schritt bis zu Schädelvermessung, die die Nationalsozialisten durchführen ließen, um die Bevölkerung in verschiedenen Rassen einteilen zu können.

Bilder von den Bewohnern  Langeoogs sind in dieser Schrift nicht enthalten oder als solche gekennzeichnet. Die den Fotos voran gestellte Charakterisierung des „Nordsee-Menschen“ gibt aber einen Eindruck davon, welche Attribute im Nationalsozialismus jenem Typus zugeschrieben wurden. So seien in die Gesichter der Menschen die gewaltigen Lebenskämpfe mit der See eingeschrieben, die Härte der Natur habe an ihnen geschmiedet und noch immer seien „Durchsetzungskraft, Tapferkeit, Selbstverantwortung, Unabhängigkeitsbedürfnis – als wertvolles Erbe das Grundelement des natürlichen Herrentums-“ darin sichtbar.

Jürgen Kühnert schreibt in seiner Chronik „150 Jahre Bruckmann Verlag“, dass im Juli 1889 Friedrich Bruckmanns jüngster Sohn Hugo in die Leitung des Verlagshauses eingetreten sein, mit dessen Weltanschauung dem Verlag eine Richtung gegeben worden sei, die „das Haus Bruckmann eng mit dem Regime und der Ideologie des Dritten Reiches verstrickte.“ Hugo Bruckmann unterstützte Adolf Hitler materiell und führte in in die Münchner Gesellschaft ein. Der Abschnitt der Verlagschronik zur Zeit im Dritten Reich findet sich hier. Von dort aus gelangt man auch zu den übrigen Abschnitten der Veröffentlichung.

* Lendavai- Dircksen, Erna: Deutsche Meisteraufnahmen Nr. 9, Nordsee-Menschen, München, 1937, Bruckmann Verlag, 24 Seiten plus Umschlag

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Die ostfriesische Nordseeinsel Langeoog wurde im Dritten Reich planmäßig zum Luftwaffenstützpunkt ausgebaut. Dazu wurde die Insel erheblich verändert: Durch Aufspülungen wurde zusätzliches Land gewonnen, auf dem ein Militärflugplatz errichtet wurde. Im Laufe des Krieges kommen Dutzende Bauwerke hinzu, zum Teil von Kriegsgefangenen errichtet, darunter Bunker, Deiche, Mole, Straßen, Wohnhäuser für Offiziere und ein zweistöckiges Verwaltungsgebäude in Form eines (unvollendeten) Hakenkreuzes. Bis heute herrscht einhelliges Schweigen über diesen Teil deutscher Geschichte auf der idyllischen Urlaubsinsel. In den Chroniken und Jubiläumsfestschriften findet sich wenig über die Zeit des Dritten Reichs und des zweiten Weltkriegs. Dieses Blog soll das ändern. Jeder, der etwas weiß oder wissen will und sich für die Geschichte der Insel interessiert, darf sich hier beteiligen.

Ausschnitt Langeoog-Prospekt_klein

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