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Posts Tagged ‘Borkum’

Ausriss aus einem Prospekt von 1935Ich habe mal wieder was bei Ebay ersteigert. Dieses Mal den vergilbten Ausriss aus einem Fremdenverkehrsführer von 1935. Der Händler hat tatsächlich die Seiten einzeln verkauft – ich erhielt Seite 263/264 mit vier Bildern von und einem Text zu Langeoog. Drei der Aufnahmen sind mit einem Bildnachweis ausgestattet: „Joh. Tillmann, Langeoog“. An anderer Stelle habe ich schon mal vom „Photo-Atelier Tillmann“ gelesen.  Vielleicht ein Vorgänger von Photo Phorst oder Photo Meyer? Wer was weiß oder jemanden kennt, der was weiß, soll es hier eintragen! Jedenfalls ist an den Bildern nichts Spektakuläres: Dünen, Pferdekutschenbahn im Wasser, Hotel Germania (heute Hotel Lamberti) mit einem Teil des alten Fokko Gerdes-Geschäfts, das früher mal richtig hübsch aussah und „Strandleben in Langeoog“ mit Strandkörben, fahrbaren Umkleidekabinen und zahlreichen Hakenkreuzflaggen im Wind. (mehr …)

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Das sehr lesenswerte Buch „Unser Hotel ist judenfrei“ von Frank Bajohr (erschienen in der schwarzen Geschichtsserie des Fischer-Verlags, siehe Quellenverzeichnis) handelt vom Bäder-Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert. Leider wird an zwei Stellen auch Langeoog erwähnt. Deutlich stärker manifestierte sich allerdings offener Antisemitismus auf der Nachbarinsel Borkum,  wie in dem Borkumlied dokumentiert, das damals von der Kurkapelle gespielt und von den Gästen mitgesungen wurde. Darin heißt es u. a.  „An Borkums Strand nur Deutschtum gilt, nur deutsch ist das Panier. Wir halten rein den Ehrenschild Germania für und für! Doch wer dir naht mit platten Füßen, mit Nasen krumm und Haaren kraus, der soll nicht deinen Strand genießen, der muß hinaus, der muß hinaus!“. Frank Bajohr zitiert noch den Vers „Borkum der Nordsee schönste Zier/bleib du von Juden rein/laß Rosenthal und Levysohn/in Norderney allein.

Frank Bajohr erwähnt Langeoog das erste Mal auf Seite 16 seines Buches im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Bäder-Antisemitismus des späten 19. Jahrhunderts, als sich „ganze Kur- und Badeorte als ‚judenfrei‘ definierten, mit einem antisemitischen Image kokettierten und in ihren Badeführern kundtaten, dass ihnen der Besuch ‚jüdischer‘, ’nichtchristlicher‘, ’semitischer‘, ‚israelitischer‘ oder ‚mosaischer‘ Gäste nicht genehm sei. (…) Vor allem in den Seebädern an Nord- und Ostsee breitete sich das neue Phänomen epidemisch aus. So galten mit Ausnahme Norderneys fast alle ostfriesischen Inseln als mehr oder minder antisemitisch: Neben Borkum waren dies vor allem Juist, Langeoog und Spiekeroog.

Ein zweites Mal wird Langeoog auf Seite 113 genannt, als Bajohr die Antwort des Schriftstellers Stefan Zweigs auf eine Einladung seines Kollegen Victor Fleischer, ihn auf  Langeoog  zu besuchen, aus dem Jahre 1922 zitiert: „Er [Zweig] könne ‚jetzt auf zwei Meilen weit keine alldeutschen Jungens‘ sehen: ‚lieber Norderney als diese Geistigkeit, die einen Rathenau ermordet hat.‘ Im Übrigen fügte Zweig hinzu: ‚Ich lasse mich nicht pardonnieren und >dulden<, besonders dort wo ich bezahle. Lieber in ein Bad mit 700 000 galizischen Juden! Das habe ich nicht nötig – da lieber nach Marienbad oder Italien, falls ich nichts Rechtes finde.'“ (zitiert nach Bajohr, der es einem Brief von Stefan Zweig an Victor Fleischer vom 29.6.1922 entnahm, der veröfefntlicht wurde in „Stefan Zweig, Briefe 1920-1931, herausgegeben von Knut Beck und Jeffrey B. Berlin, Frankfurt am Main, 2000, Seite 70f)

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