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Archive for the ‘Kriegszeit’ Category

Voller Stolz zitiert der Langeooger Ortschronist Windemuth im Jahr 1937 die Ostfriesische Tageszeitung, OTZ, das amtliche Organ der NSDAP in Ostfriesland:  Auf der Insel leben 150 Familien. Der Ortsgruppenamtsleiter der NSV (der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, ON) meldete in den letzten Tagen das 150. Mitglied in der NSV an. Somit ist Langeoog die erste Ortsgruppe im Kreise Wittmund, in der aus jedem Haushalt eine Person Mitglied der NSV ist. Der unermüdlichen Arbeit auf Aufklärung aller NSV-Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass der soziale Gedanke in die Familien so tief eingedrungen ist. Es ist nur zu hoffen, dass Langeoog nicht die einzige Ortsgruppe mit 100% Mitglieder bleiben wird, sondern dass die anderen Ortsgruppen ihren Ehrgeiz darin sehen, ebenfalls nicht zurück zu stehen, um auch die noch Außenstehenden für die Aufbauarbeit des Führers zu gewinnen.

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Schulleiter Windemuth dokumentiert in seiner handschriftlichen Chronik auch einen Brief des Kommandos der Marinestation der Nordsee in Wilhelmshaven, vom 24. Oktober 1940. Betreff: Bewaldung der Nordseeinseln. Darin heißt es: Anlässlich von Geländeerkundungen (im Original schlecht lesbar) durch den Oberfestungsbaustab beim Kommando der Marinestation der Nordsee auf den Inseln Terschelling und Vlieland fiel, besonders von der Luft aus, stark der Unterschied zwischen den holländischen und deutschen Nordseeinseln auf. Die Inseln Terschelling und Vlieland haben im Gegensatz zu deutschen Inseln umfangreiche Waldungen, die den Inseln ein wesentlich anderes Bild geben, als die nüchternen Dünenlandschaften der deutschen Nordseeinseln. Da naturgemäß eine bewaldete Insel beim Bau von Kampfanlagen bessere Möglichkeiten für die Tarnung und die Einfügung in die Landschaft bietet, ist der Gedanke erwogen, ob sich nicht auch für die deutschen Nordseeinseln eine Bewaldung durchführen ließe.

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Kurios mutet der Eintrag von Schuldirektor Windemuth vom 31. Januar 1941 an. Vor einem Jahr hat Deutschland Polen überfallen, die Westmächte ihm daraufhin den Krieg erklärt. Jetzt befindet sich das Land im Luftkrieg mit England, als Windemuth etwas ganz anderes Sorgen bereitet. Er befürwortet in einem Schreiben des Langeooger Bürgermeisters Wagner an den Landesfremdenverkehrsverband Ostfriesland dessen Vorschlag, auf der Insel einen „Nordseegarten“ analog dem „Alpenpflanzgarten“ auf dem Brocken anzulegen. Begründung im Schreiben: Bei den Bauarbeiten der Luftwaffe und Marine und späteren Erweiterungen (Original unleserlich) besteht sehr große Gefahr, dass ein großer Teil hier beheimateter Pflanzen (unleserlich) verdrängt oder aber in ihrem Lebensraum so beschränkt werden, dass die Gefahr besteht, sie auch noch an diesem letzten Platze zu verlieren. Große (unleserlich) schöne und reiche Gebiete sind schon verloren und bei weiteren Arbeiten kann und wird auch auf die Daseinsberechtigung der Pflanzen keine Rücksicht genommen werden. Ich betrachte es als eine Pflicht der lebenden Generation hier zu retten, was noch zu retten ist. Bei dieser Aktion kann ein solcher Garten, der nicht jedermann zugänglich ist, viel Nützliches leisten. Ein entsprechendes Stück Umland bei der Heerhusdünen wäre dazu  sehr geeignet, weil es Dünengelände und (unleserlich) Boden enthält. Die Aufstellung einer Pflanzenliste erübrigt sich hier vorerst, wichtig wäre vor allem erst die Sicherung des Grundstücks beim Fiskus.“ Dem Vorschlag von Herrn Windemuth entsprechend möchte ich die Anlegung eines Nordseegartens in die Wege leiten. Heil Hitler gez. Dr. Wagner (mehr …)

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Langjährigen Wünschen der Gäste und der Bevölkerung folgend ist in diesem Sommer ein schmuckes Kindergartengebäude entstanden. Es liegt neben dem Warmbad nahe dem Ortsrand, damit die Kinder bei günstigem Wetter so viel als möglich in der Strandburg des Kindergartens vor allem bei schlechtem Wetter aber noch schnell des schützende Heim aufsuchen können. Das Heim steht im gemeinsamen Eigentum des Klosters Loccum und der Gemeinde, die die Baukosten von 10.000 RM (Reichsmark, ON) zu 3/4 bzw. 1/4 aufgebracht haben. betrieben wird der Kindergarten durch die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, ON), die auch die gesamte Einrichtung des Hauses übernommen hat und die laufenden Ausgaben bestreitet.

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Langeoog-Postkarte FokkoKürzlich habe ich bei Ebay eine Postkarte ersteigert, die laut Poststempel am 26. Juli 1958 verschickt wurde. Dem Empfänger-Ehepaar in Lüneburg wurde – zeitlos lapidar – mitgeteilt: „Das Wetter könnte besser sein, ansonsten gefällt es uns aber.“  Interessant ist, dass auf der Vorderseite der Postkarte, die von Fokko Gerdes gedruckt wurde, die Insel in ihrer Vorkriegsform abgedruckt wurde, nämlich mit einem viel schmaleren Fuß, ohne Hafenmole und ohne die großflächigen Aufspülungen rund um das Flithörn, die während der Kriegsvorbereitungen erfolgten. Weitere Abbildungen auf der Vielbilderkarte wie die der fertig gestellten Blumental-Siedlung oder der Diesllok der Inselbahn sprechen für eine Datierung nach Beginn der Kriegsvorbereitungen auf der Nordseeinsel  – die in diesem Fall noch mit Bindestrich als „Nordsee-Insel“ geschrieben wurde. Dass allerdings die Beschriftung im zentralen Kartenbild „Nord-See“ lautet, ist auch für die damalige Zeit ein kaum zu verzeihender Schreibfehler.

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Schon bei einer anderen Postkarte ist es mir aufgefallen: Die Hakenkreuze in den Flaggen sind ungewöhnlich kräftig und immer gut zu erkennen: Obwohl sie im Wind flattern ist auf allen das ganze Hakenkreuz sichtbar und nur leicht verzerrt. Mit anderen Worten: Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier alte Postkartenmotive der „neuen Zeit“ angepasst wurden.

Postkarte Langeoog Hafen_klein

Und hier ein vergrößerter Ausschnitt:

Postkarte Langeoog Hafen_Ausschnitt

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Hitlerjungen in Langeoogs Dünen

Hitlerjungen in Langeoogs Dünen

Das Heftchen „Hitlerjungen auf Langeoog“ der Reihe „Heimatlese“ (siehe Literaturliste) enthält noch einen interessanten Abschnitt, in dem eine „Feier am Schlageterkreuz“ beschrieben wird (Seite 220): „So kamen die Jungen bis an den Fuß der hohen Düne, die das Schlageterkreuz krönt, und dort sammelte sich alles, denn man mußte den schmalen Weg steil bergauf in Reihen gehen.(…) Die Jungen sammelten sich im Windschatten unter dem Mahnmal. Da stimmten sie Hans Baumanns Lied an: „Soldaten tragen Gewehre, Soldaten tragen den Stahl, doch groß macht sie nur die Ehre: Soldaten sind ohne Wahl!“ Es folgt eine – vermutlich vom Heft-Autor erdichtete – Blut-und-Boden-Rede des Bannführers und einige Worte zum Motiv des Denkmals: „Schlageter, der mutige Soldat des großen Krieges, Schlageter, der unerschrockene Soldat des Freikorps, Schlageter, einer der ersten Soldaten des Führers, soll uns ein Sinnbild sein und ein Vorbild! So treu, wie er war, möchten auch wir einst befunden werden, wenn die harte Stunde an uns herantreten sollte. Das wollen wir hier geloben!“

Schlageterkreuz MelkhörndüneDie Melkhörndüne (die höchste Düne der Insel und bis vor wenigen Jahren eine der höchsten natürlichen Erhebungen in Ostfriesland) ist zwar nicht benannt, aber es handelt sich mit Sicherheit um sie. Schon Wilhelm Schreiner hat in seinem leider undatiertem Buch „Langeoog – Ein Nordsee-Inselbuch“ (siehe Literaturliste) vom Schlageterkreuz berichtet und auch ein Foto geliefert. Auf Seite 10 heißt es: „Voraus aber ragt schlank und still im Sonnenglanz von höchster, herrlicher Düne auf, über schlichtem Klinkersockel – das hohe Schlageterkreuz. Der Blick von da droben bleibt unvergesslich. Melkhörndüne hieß sie bisher, nach der Meierei jenseits, wo die Außenweide entlang läuft und der Fahrweg in den Osten.“ Albert Leo Schlageter war Soldat im Freikorps und einer der frühen „Helden“ des nationalsozialistischen Regimes. In Deutschland wurden zwischen 1923 und 1938 rund 100 Schlageter-Denkmäler errichtet, schätzt Christian Fuhrmeister (in „Beton, Klinker, Granit – Material macht Politik“, Berlin 2001, Huss-Medien): „Diese reichsweit errichteten Denkmäler bilden einen repräsentativen Querschnitt der Memorialkultur des rechten Spektrums in der Zwischenkriegszeit“ (S. 193).

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