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Lesetipp

Der Geheimdienstthriller von Erskine Childers über das Segeln und die schrulligen Inselbewohner: Das Rätsel der Sandbank: Ein Bericht des Geheimdienstes

Die ostfriesische Nordseeinsel Langeoog wurde im Dritten Reich planmäßig zum Luftwaffenstützpunkt ausgebaut. Dazu wurde die Insel erheblich verändert: Durch Aufspülungen wurde zusätzliches Land gewonnen, auf dem ein Militärflugplatz errichtet wurde. Im Laufe des Krieges kommen Dutzende Bauwerke hinzu, zum Teil von Kriegsgefangenen errichtet, darunter Bunker, Deiche, Mole, Straßen, Wohnhäuser für Offiziere und ein zweistöckiges Verwaltungsgebäude in Form eines (unvollendeten) Hakenkreuzes. Bis heute herrscht einhelliges Schweigen über diesen Teil deutscher Geschichte auf der idyllischen Urlaubsinsel. In den Chroniken und Jubiläumsfestschriften findet sich wenig über die Zeit des Dritten Reichs und des zweiten Weltkriegs. Dieses Blog soll das ändern. Jeder, der etwas weiß oder wissen will und sich für die Geschichte der Insel interessiert, darf sich hier beteiligen.

Ausschnitt Langeoog-Prospekt_klein

Wie umfassend die Eingriffe des Menschen im Dritten Reich waren, dokumentiert eine Postkarte aus der Zeit davor: Die heutige Mole fehlt, der Hafen befand  sich dort, wo unter der Leitung der Wehrmachts ein neuer Deich gebaut wurde. Ebenso fehlen der westliche Seedeich und die großen Rollfelder des Militärflughafens.

Dirk Kohnert hat eine alte Schatulle mit Bildern seiner Eltern gefunden, die viele Jahre Dauergäste auf Langeoog waren. Er hat einige der Fundstücke aus den Jahren 1949 bis 1954 eingescannt und mich gebeten, diese hier zur Verfügung zu stellen. Über Kommentare von alteingesessenen Langeoogern und Interpreationen dessen, was man auf den Bildern sieht, freuen wir uns! Weiterlesen »

Voller Stolz zitiert der Langeooger Ortschronist Windemuth im Jahr 1937 die Ostfriesische Tageszeitung, OTZ, das amtliche Organ der NSDAP in Ostfriesland:  Auf der Insel leben 150 Familien. Der Ortsgruppenamtsleiter der NSV (der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, ON) meldete in den letzten Tagen das 150. Mitglied in der NSV an. Somit ist Langeoog die erste Ortsgruppe im Kreise Wittmund, in der aus jedem Haushalt eine Person Mitglied der NSV ist. Der unermüdlichen Arbeit auf Aufklärung aller NSV-Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass der soziale Gedanke in die Familien so tief eingedrungen ist. Es ist nur zu hoffen, dass Langeoog nicht die einzige Ortsgruppe mit 100% Mitglieder bleiben wird, sondern dass die anderen Ortsgruppen ihren Ehrgeiz darin sehen, ebenfalls nicht zurück zu stehen, um auch die noch Außenstehenden für die Aufbauarbeit des Führers zu gewinnen.

In der Chronik des vormaligen Langeooger Schulleiters Windemuth ist auch eine Anzeige vom 24. September 1921 zur Einrichtung einer Privatschule dokumentiert: „Um berechtigten Forderungen der Gegenwart in erzieherischer und unterrichtlicher Beziehung entgegen zu kommen, beabsichtigen wir für Knaben und Mädchen im schul- und nachschulpflichtigen Lebensalter eine höhere Privatschule mit Pensionat für Auswärtige zu errichten, deren Lehrplan sich dem der Unter- und Mittelstufe der höheren Lehranstalten anschließt. Ziel der Schule ist, die Kinder für die Untersekunda der höheren Knabenschulen und die entsprechende Klasse der höheren Mädchenschulen vorzubereiten, und dasjenige Maß von Bildung zu vermitteln, das in der Prüfung für Einjährig-Freiwillige verlangt wird. Die gesundheitliche Überwachung übernimmt der Badearzt. Nähere Auskunft erteilen und Meldungen nehmen entgegen die Unterzeichneten. Pastor Harms, Rektor Vogel, Lehrer Körber, Bade- und Inselarzt Dr. Bunse.“ Weiterlesen »

Ausriss aus einem Prospekt von 1935Ich habe mal wieder was bei Ebay ersteigert. Dieses Mal den vergilbten Ausriss aus einem Fremdenverkehrsführer von 1935. Der Händler hat tatsächlich die Seiten einzeln verkauft – ich erhielt Seite 263/264 mit vier Bildern von und einem Text zu Langeoog. Drei der Aufnahmen sind mit einem Bildnachweis ausgestattet: „Joh. Tillmann, Langeoog“. An anderer Stelle habe ich schon mal vom „Photo-Atelier Tillmann“ gelesen.  Vielleicht ein Vorgänger von Photo Phorst oder Photo Meyer? Wer was weiß oder jemanden kennt, der was weiß, soll es hier eintragen! Jedenfalls ist an den Bildern nichts Spektakuläres: Dünen, Pferdekutschenbahn im Wasser, Hotel Germania (heute Hotel Lamberti) mit einem Teil des alten Fokko Gerdes-Geschäfts, das früher mal richtig hübsch aussah und „Strandleben in Langeoog“ mit Strandkörben, fahrbaren Umkleidekabinen und zahlreichen Hakenkreuzflaggen im Wind. Weiterlesen »

Schulleiter Windemuth dokumentiert in seiner handschriftlichen Chronik auch einen Brief des Kommandos der Marinestation der Nordsee in Wilhelmshaven, vom 24. Oktober 1940. Betreff: Bewaldung der Nordseeinseln. Darin heißt es: Anlässlich von Geländeerkundungen (im Original schlecht lesbar) durch den Oberfestungsbaustab beim Kommando der Marinestation der Nordsee auf den Inseln Terschelling und Vlieland fiel, besonders von der Luft aus, stark der Unterschied zwischen den holländischen und deutschen Nordseeinseln auf. Die Inseln Terschelling und Vlieland haben im Gegensatz zu deutschen Inseln umfangreiche Waldungen, die den Inseln ein wesentlich anderes Bild geben, als die nüchternen Dünenlandschaften der deutschen Nordseeinseln. Da naturgemäß eine bewaldete Insel beim Bau von Kampfanlagen bessere Möglichkeiten für die Tarnung und die Einfügung in die Landschaft bietet, ist der Gedanke erwogen, ob sich nicht auch für die deutschen Nordseeinseln eine Bewaldung durchführen ließe.

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