Die ostfriesische Nordseeinsel Langeoog wurde im Dritten Reich planmäßig zum Luftwaffenstützpunkt ausgebaut. Dazu wurde die Insel erheblich verändert: Durch Aufspülungen wurde zusätzliches Land gewonnen, auf dem ein Militärflugplatz errichtet wurde. Im Laufe des Krieges kommen Dutzende Bauwerke hinzu, zum Teil von Kriegsgefangenen errichtet, darunter Bunker, Deiche, Mole, Straßen, Wohnhäuser für Offiziere und ein zweistöckiges Verwaltungsgebäude in Form eines (unvollendeten) Hakenkreuzes. Bis heute herrscht einhelliges Schweigen über diesen Teil deutscher Geschichte auf der idyllischen Urlaubsinsel. In den Chroniken und Jubiläumsfestschriften findet sich wenig über die Zeit des Dritten Reichs und des zweiten Weltkriegs. Dieses Blog soll das ändern. Jeder, der etwas weiß oder wissen will und sich für die Geschichte der Insel interessiert, darf sich hier beteiligen.
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Schulleiter Windemuth dokumentiert in seiner handschriftlichen Chronik auch einen Brief des Kommandos der Marinestation der Nordsee in Wilhelmshaven, vom 24. Oktober 1940. Betreff: Bewaldung der Nordseeinseln. Darin heißt es: Anlässlich von Geländeerkundungen (im Original schlecht lesbar) durch den Oberfestungsbaustab beim Kommando der Marinestation der Nordsee auf den Inseln Terschelling und Vlieland fiel, besonders von der Luft aus, stark der Unterschied zwischen den holländischen und deutschen Nordseeinseln auf. Die Inseln Terschelling und Vlieland haben im Gegensatz zu deutschen Inseln umfangreiche Waldungen, die den Inseln ein wesentlich anderes Bild geben, als die nüchternen Dünenlandschaften der deutschen Nordseeinseln. Da naturgemäß eine bewaldete Insel beim Bau von Kampfanlagen bessere Möglichkeiten für die Tarnung und die Einfügung in die Landschaft bietet, ist der Gedanke erwogen, ob sich nicht auch für die deutschen Nordseeinseln eine Bewaldung durchführen ließe.
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Zur Jahrhundertfeier 1930: Mein Langeoog!
von Otto Schaffrath, nach der Weise: “Sind wir vereint…”
Du zeigst Dich mir im schönsten Kleide
Nun ich Dich schau vom Wattenmeer…
Auf dir ruht Sonnenschein und Freude
Und lieblich winkt vom Eiland her
Der Wasserturm, das Seefahrtszeichen;
Dort rechts steigt ja das Melkhörn hoch…
So willst Du mir den Frieden reichen
Oh du geliebtes Langeoog! Weiterlesen »
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Kurios mutet der Eintrag von Schuldirektor Windemuth vom 31. Januar 1941 an. Vor einem Jahr hat Deutschland Polen überfallen, die Westmächte ihm daraufhin den Krieg erklärt. Jetzt befindet sich das Land im Luftkrieg mit England, als Windemuth etwas ganz anderes Sorgen bereitet. Er befürwortet in einem Schreiben des Langeooger Bürgermeisters Wagner an den Landesfremdenverkehrsverband Ostfriesland dessen Vorschlag, auf der Insel einen “Nordseegarten” analog dem “Alpenpflanzgarten” auf dem Brocken anzulegen. Begründung im Schreiben: Bei den Bauarbeiten der Luftwaffe und Marine und späteren Erweiterungen (Original unleserlich) besteht hier große Gefahr, dass ein großer Teil hier beheimateter Pflanzen (unleserlich) verdrängt oder aber in ihrem Lebensraum so beschränkt werden, dass die Gefahr besteht, sie auch noch an diesem letzten Platze zu verlieren. Große (unleserlich) schöne und reiche Gebiete sind schon verloren und bei weiteren Arbeiten kann und wird auch auf die Daseinsberechtigung der Pflanzen keine Rücksicht genommen werden. Ich betrachte es als eine Pflicht der lebenden Generation hier zu retten, was noch zu retten ist. Bei dieser Aktion kann ein solcher Garten, der nicht jedermann zugänglich ist, viel Nützliches leisten. Ein entsprechendes Stück Umland bei der Heerhusdünen wäre dazu sehr geeignet, weil es Dünengelände und (unleserlich) Boden enthält. Die Aufstellung einer Pflanzenliste erübrigt sich hier vorerst, wichtig wäre vor allem erst die Sicherung des Grundstücks beim Fiskus.” Dem Vorschlag von Herrn Windemuth entsprechend möchte ich die Anlegung eines Nordseegartens in die Wege leiten. Heil Hitler gez. Dr. Wagner Weiterlesen »
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Langjährigen Wünschen der Gäste und der Bevölkerung folgend ist in diesem Sommer ein schmuckes Kindergartengebäude entstanden. Es liegt neben dem Warmbad nahe dem Ortsrand, damit die Kinder bei günstigem Wetter so viel als möglich in der Strandburg des Kindergartens vor allem bei schlechtem Wetter aber noch schnell des schützende Heim aufsuchen können. Das Heim steht im gemeinsamen Eigentum des Klosters Loccum und der Gemeinde, die die Baukosten von 10.000 RM (Reichsmark, ON) zu 3/4 bzw. 1/4 aufgebracht haben. betrieben wird der Kindergarten durch die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, ON), die auch die gesamte Einrichtung des Hauses übernommen hat und die laufenden Ausgaben bestreitet.
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Mir liegt das handschriftliche Manuskript einer “Chronik der Inselgemeinde Langeoog bis 1943″ des ehemaligen Leiters der Inselschule vor: Richard Windemuth schreibt auf über 500 Seiten Geschichtliches, Beobachtungen und seine Ansichten zur Insel auf, größtenteils in Sütterlin-Schrift. Im Vorwort heißt es: “Am 1. Oktober 1935 habe ich die Leitung der hiesigen Schule übernommen. Ich nahm mir vor, die bestehende Schulchronik neu anzulegen und eine Ortschronik, aufzustellen und alles über Langeoog zusammenzutragen, was mir irgendwie erreichbar ist. Daß dabei die zeitliche Folge nicht eingehalten werden kann, mag hier besonders erwähnt sein.” Der Chronik der Burhafer Schule ist zu entnehmen, dass Windemuth ab dem 1. Oktober 1928 hier tätig war und kommissarisch die Verwaltung der ersten Lehrerstelle übernahm, um die Jahrgänge 5 bis 8 zu unterrichten. Am 1. April 1930 wechselt Windemuth auf die zweite Lehrerstelle in Negenbargen. Weiterlesen »
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Nach einem Bericht des General-Anzeigers in Rhauderfehn konnten die Verursacher des Feuers im ehemaligen Wehrmachts-Verwaltungsgebäude und späteren Internats auf Langeoog ermittelt werden. Wie auf der Luftaufnahme des ausgebrannten Gebäudes gut zu erkennen ist, hat das Gebäude die Grundform eines Hakenkreuzflügels. Ursprünglich sollte das Gebäude als vollständiges Hakenkreuz gebaut werden. Warum der zweite Flügel nicht gebaut wurde, der die vorhandene Achse in deren Mitte im 90-Gradwinkel durchschnitten hätte, ist unklar.
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Kürzlich habe ich bei Ebay eine Postkarte ersteigert, die laut Poststempel am 26. Juli 1958 verschickt wurde. Dem Empfänger-Ehepaar in Lüneburg wurde – zeitlos lapidar – mitgeteilt: “Das Wetter könnte besser sein, ansonsten gefällt es uns aber.” Interessant ist, dass auf der Vorderseite der Postkarte, die von Fokko Gerdes gedruckt wurde, die Insel in ihrer Vorkriegsform abgedruckt wurde, nämlich mit einem viel schmaleren Fuß, ohne Hafenmole und ohne die großflächigen Aufspülungen rund um das Flithörn, die während der Kriegsvorbereitungen erfolgten. Weitere Abbildungen auf der Vielbilderkarte wie die der fertig gestellten Blumental-Siedlung oder der Diesllok der Inselbahn sprechen für eine Datierung nach Beginn der Kriegsvorbereitungen auf der Nordseeinsel – die in diesem Fall noch mit Bindestrich als “Nordsee-Insel” geschrieben wurde. Dass allerdings die Beschriftung im zentralen Kartenbild “Nord-See” lautet, ist auch für die damalige Zeit ein kaum zu verzeihender Schreibfehler.
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Schon bei einer anderen Postkarte ist es mir aufgefallen: Die Hakenkreuze in den Flaggen sind ungewöhnlich kräftig und immer gut zu erkennen: Obwohl sie im Wind flattern ist auf allen das ganze Hakenkreuz sichtbar und nur leicht verzerrt. Mit anderen Worten: Es ist sehr wahrscheinlich, dass hier alte Postkartenmotive der “neuen Zeit” angepasst wurden.
Und hier ein vergrößerter Ausschnitt:
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Am 12. Juli 1936 veröffentlichte der Landesverkehrsverband Ostfriesland, Emden, diese kleine, nur 2,5 Zentimeter breite und 9 Zentimeter hohe Annonce im “Reiseblatt”, dem Reiseteil der Frankfurter Zeitung, auf Seite 3. Der Landesverkehrsverband Ostfriesland existierte auch nach dem 2. Weltkrieg weiter und fusionierte in den 1960er Jahren mit dem Fremdenverkehrsverband Weser-Ems zum Fremdenverkehrsverband Nordsee.
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Das Heftchen “Hitlerjungen auf Langeoog” der Reihe “Heimatlese” (siehe Literaturliste) enthält noch einen interessanten Abschnitt, in dem eine “Feier am Schlageterkreuz” beschrieben wird (Seite 220): “So kamen die Jungen bis an den Fuß der hohen Düne, die das Schlageterkreuz krönt, und dort sammelte sich alles, denn man mußte den schmalen Weg steil bergauf in Reihen gehen.(…) Die Jungen sammelten sich im Windschatten unter dem Mahnmal. Da stimmten sie Hans Baumanns Lied an: “Soldaten tragen Gewehre, Soldaten tragen den Stahl, doch groß macht sie nur die Ehre: Soldaten sind ohne Wahl!” Es folgt eine – selbstverständlich vom Heft-Autor erdichtete – Blut-und-Boden-Rede des Bannführers und einige Worte zum Motiv des Denkmals: “Schlageter, der mutige Soldat des großen Krieges, Schlageter, der unerschrockene Soldat des Freikorps, Schlageter, einer der ersten Soldaten des Führers, soll und ein Sinnbild sein und ein Vorbild! So treu, wie er war, möchten auch wir einst befunden werden, wenn die harte Stunde an uns herantreten sollte. Das wollen wir hier geloben!”
Die Melkhörndüne (die höchste Düne der Insel und bis vor wenige Jahre eine der höchsten natürlichen Erhebungen in Ostfriesland) ist zwar nicht benannt, aber es handelt sich mit Sicherheit um sie. Schon Wilhelm Schreiner hat in seinem leider undatiertem Buch “Langeoog – Ein Nordsee-Inselbuch” (siehe Literaturliste) vom Schlageterkreuz berichtet und auch ein Foto geliefert. Auf Seite 10 heißt es: “Voraus aber ragt schlank und still im Sonnenglanz von höchster, herrlicher Düne auf, über schlichtem Klinkersockel – das hohe Schlageterkreuz. Der Blick von da droben bleibt unvergesslich. Melkhörndüne hieß sie bisher, nach der Meierei jenseits, wo die Außenweide entlang läuft und der Fahrweg in den Osten.” Albert Leo Schlageter war Soldat im Freikorps und einer der frühen “Helden” des nationalsozialistischen Regimes.
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