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Die ostfriesische Nordseeinsel Langeoog wurde im Dritten Reich planmäßig zum Luftwaffenstützpunkt ausgebaut. Dazu wurde die Insel erheblich verändert: Durch Aufspülungen wurde zusätzliches Land gewonnen, auf dem ein Militärflugplatz errichtet wurde. Im Laufe des Krieges kommen Dutzende Bauwerke hinzu, zum Teil von Kriegsgefangenen errichtet, darunter Bunker, Deiche, Mole, Straßen, Wohnhäuser für Offiziere und ein zweistöckiges Verwaltungsgebäude in Form eines (unvollendeten) Hakenkreuzes. Bis heute herrscht einhelliges Schweigen über diesen Teil deutscher Geschichte auf der idyllischen Urlaubsinsel. In den Chroniken und Jubiläumsfestschriften findet sich wenig über die Zeit des Dritten Reichs und des zweiten Weltkriegs. Dieses Blog soll das ändern. Jeder, der etwas weiß oder wissen will und sich für die Geschichte der Insel interessiert, darf sich hier beteiligen.

Ausschnitt Langeoog-Prospekt_klein

Dirk Kohnert hat eine alte Schatulle mit Bildern seiner Eltern gefunden, die viele Jahre Dauergäste auf Langeoog waren. Er hat einige der Fundstücke aus den Jahren 1949 bis 1954 eingescannt und mich gebeten, diese hier zur Verfügung zu stellen. Über Kommentare von alteingesessenen Langeoogern und Interpreationen dessen, was man auf den Bildern sieht, freuen wir uns! Weiterlesen »

Voller Stolz zitiert der Langeooger Ortschronist Windemuth im Jahr 1937 die Ostfriesische Tageszeitung, OTZ, das amtliche Organ der NSDAP in Ostfriesland:  Auf der Insel leben 150 Familien. Der Ortsgruppenamtsleiter der NSV (der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, ON) meldete in den letzten Tagen das 150. Mitglied in der NSV an. Somit ist Langeoog die erste Ortsgruppe im Kreise Wittmund, in der aus jedem Haushalt eine Person Mitglied der NSV ist. Der unermüdlichen Arbeit auf Aufklärung aller NSV-Mitarbeiter ist es zu verdanken, dass der soziale Gedanke in die Familien so tief eingedrungen ist. Es ist nur zu hoffen, dass Langeoog nicht die einzige Ortsgruppe mit 100% Mitglieder bleiben wird, sondern dass die anderen Ortsgruppen ihren Ehrgeiz darin sehen, ebenfalls nicht zurück zu stehen, um auch die noch Außenstehenden für die Aufbauarbeit des Führers zu gewinnen.

In der Chronik des vormaligen Langeooger Schulleiters Windemuth ist auch eine Anzeige vom 24. September 1921 zur Einrichtung einer Privatschule dokumentiert: „Um berechtigten Forderungen der Gegenwart in erzieherischer und unterrichtlicher Beziehung entgegen zu kommen, beabsichtigen wir für Knaben und Mädchen im schul- und nachschulpflichtigen Lebensalter eine höhere Privatschule mit Pensionat für Auswärtige zu errichten, deren Lehrplan sich dem der Unter- und Mittelstufe der höheren Lehranstalten anschließt. Ziel der Schule ist, die Kinder für die Untersekunda der höheren Knabenschulen und die entsprechende Klasse der höheren Mädchenschulen vorzubereiten, und dasjenige Maß von Bildung zu vermitteln, das in der Prüfung für Einjährig-Freiwillige verlangt wird. Die gesundheitliche Überwachung übernimmt der Badearzt. Nähere Auskunft erteilen und Meldungen nehmen entgegen die Unterzeichneten. Pastor Harms, Rektor Vogel, Lehrer Körber, Bade- und Inselarzt Dr. Bunse.“ Weiterlesen »

Ausriss aus einem Prospekt von 1935Ich habe mal wieder was bei Ebay ersteigert. Dieses Mal den vergilbten Ausriss aus einem Fremdenverkehrsführer von 1935. Der Händler hat tatsächlich die Seiten einzeln verkauft – ich erhielt Seite 263/264 mit vier Bildern von und einem Text zu Langeoog. Drei der Aufnahmen sind mit einem Bildnachweis ausgestattet: „Joh. Tillmann, Langeoog“. An anderer Stelle habe ich schon mal vom „Photo-Atelier Tillmann“ gelesen.  Vielleicht ein Vorgänger von Photo Phorst oder Photo Meyer? Wer was weiß oder jemanden kennt, der was weiß, soll es hier eintragen! Jedenfalls ist an den Bildern nichts Spektakuläres: Dünen, Pferdekutschenbahn im Wasser, Hotel Germania (heute Hotel Lamberti) mit einem Teil des alten Fokko Gerdes-Geschäfts, das früher mal richtig hübsch aussah und „Strandleben in Langeoog“ mit Strandkörben, fahrbaren Umkleidekabinen und zahlreichen Hakenkreuzflaggen im Wind. Weiterlesen »

Schulleiter Windemuth dokumentiert in seiner handschriftlichen Chronik auch einen Brief des Kommandos der Marinestation der Nordsee in Wilhelmshaven, vom 24. Oktober 1940. Betreff: Bewaldung der Nordseeinseln. Darin heißt es: Anlässlich von Geländeerkundungen (im Original schlecht lesbar) durch den Oberfestungsbaustab beim Kommando der Marinestation der Nordsee auf den Inseln Terschelling und Vlieland fiel, besonders von der Luft aus, stark der Unterschied zwischen den holländischen und deutschen Nordseeinseln auf. Die Inseln Terschelling und Vlieland haben im Gegensatz zu deutschen Inseln umfangreiche Waldungen, die den Inseln ein wesentlich anderes Bild geben, als die nüchternen Dünenlandschaften der deutschen Nordseeinseln. Da naturgemäß eine bewaldete Insel beim Bau von Kampfanlagen bessere Möglichkeiten für die Tarnung und die Einfügung in die Landschaft bietet, ist der Gedanke erwogen, ob sich nicht auch für die deutschen Nordseeinseln eine Bewaldung durchführen ließe.

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Zur Jahrhundertfeier 1930: Mein Langeoog!
von Otto Schaffrath, nach der Weise: „Sind wir vereint…“

Du zeigst Dich mir im schönsten Kleide
Nun ich Dich schau vom Wattenmeer…
Auf dir ruht Sonnenschein und Freude
Und lieblich winkt vom Eiland her
Der Wasserturm, das Seefahrtszeichen;
Dort rechts steigt ja das Melkhörn hoch…
So willst Du mir den Frieden reichen
Oh du geliebtes Langeoog! Weiterlesen »

Kurios mutet der Eintrag von Schuldirektor Windemuth vom 31. Januar 1941 an. Vor einem Jahr hat Deutschland Polen überfallen, die Westmächte ihm daraufhin den Krieg erklärt. Jetzt befindet sich das Land im Luftkrieg mit England, als Windemuth etwas ganz anderes Sorgen bereitet. Er befürwortet in einem Schreiben des Langeooger Bürgermeisters Wagner an den Landesfremdenverkehrsverband Ostfriesland dessen Vorschlag, auf der Insel einen „Nordseegarten“ analog dem „Alpenpflanzgarten“ auf dem Brocken anzulegen. Begründung im Schreiben: Bei den Bauarbeiten der Luftwaffe und Marine und späteren Erweiterungen (Original unleserlich) besteht sehr große Gefahr, dass ein großer Teil hier beheimateter Pflanzen (unleserlich) verdrängt oder aber in ihrem Lebensraum so beschränkt werden, dass die Gefahr besteht, sie auch noch an diesem letzten Platze zu verlieren. Große (unleserlich) schöne und reiche Gebiete sind schon verloren und bei weiteren Arbeiten kann und wird auch auf die Daseinsberechtigung der Pflanzen keine Rücksicht genommen werden. Ich betrachte es als eine Pflicht der lebenden Generation hier zu retten, was noch zu retten ist. Bei dieser Aktion kann ein solcher Garten, der nicht jedermann zugänglich ist, viel Nützliches leisten. Ein entsprechendes Stück Umland bei der Heerhusdünen wäre dazu  sehr geeignet, weil es Dünengelände und (unleserlich) Boden enthält. Die Aufstellung einer Pflanzenliste erübrigt sich hier vorerst, wichtig wäre vor allem erst die Sicherung des Grundstücks beim Fiskus.“ Dem Vorschlag von Herrn Windemuth entsprechend möchte ich die Anlegung eines Nordseegartens in die Wege leiten. Heil Hitler gez. Dr. Wagner Weiterlesen »

Langjährigen Wünschen der Gäste und der Bevölkerung folgend ist in diesem Sommer ein schmuckes Kindergartengebäude entstanden. Es liegt neben dem Warmbad nahe dem Ortsrand, damit die Kinder bei günstigem Wetter so viel als möglich in der Strandburg des Kindergartens vor allem bei schlechtem Wetter aber noch schnell des schützende Heim aufsuchen können. Das Heim steht im gemeinsamen Eigentum des Klosters Loccum und der Gemeinde, die die Baukosten von 10.000 RM (Reichsmark, ON) zu 3/4 bzw. 1/4 aufgebracht haben. betrieben wird der Kindergarten durch die NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, ON), die auch die gesamte Einrichtung des Hauses übernommen hat und die laufenden Ausgaben bestreitet.

Mir liegt das handschriftliche Manuskript einer „Chronik der Inselgemeinde Langeoog bis 1943″ des ehemaligen Leiters der Inselschule vor: Richard Windemuth schreibt auf über 500 Seiten Geschichtliches, Beobachtungen und seine Ansichten zur Insel auf, größtenteils in Sütterlin-Schrift. Im Vorwort heißt es: „Am 1. Oktober 1935 habe ich die Leitung der hiesigen Schule übernommen. Ich nahm mir vor, die bestehende Schulchronik neu anzulegen und eine Ortschronik, aufzustellen und alles über Langeoog zusammenzutragen, was mir irgendwie erreichbar ist. Daß dabei die zeitliche Folge nicht eingehalten werden kann, mag hier besonders erwähnt sein.“ Der Chronik der Burhafer Schule ist zu entnehmen, dass Windemuth ab dem 1. Oktober 1928 hier tätig war und kommissarisch die Verwaltung der ersten  Lehrerstelle übernahm, um die Jahrgänge 5 bis 8 zu unterrichten. Am 1. April 1930 wechselt Windemuth auf die zweite Lehrerstelle in Negenbargen. Weiterlesen »

Internatsgymnasium von obenNach einem Bericht des General-Anzeigers in Rhauderfehn konnten die Verursacher des Feuers im ehemaligen Wehrmachts-Verwaltungsgebäude und späteren Internats auf Langeoog ermittelt werden. Das Gebäude ähnelt aus der Luft einem halben Hakenkreuz und tatsächlich hieß es unter uns Schülern immer, die Wehrmacht habe das Gebäude ursprünglich als vollständiges Hakenkreuz geplant. Aber womöglich waren das haltlose Vermutungen, denn es gibt gute Argumente, die dagegen sprechen (siehe Kommentar von Hendrik Tongers).

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